La Marche
La Marche macht süchtig. Schon nach dem ersten Mal kommt man nicht mehr los von ihrer Musik. Der feine Stoff nennt sich Zickenumpa. Balkanbeats, Ska, Funk und Reggae sind die Essenz. Wer bei dieser Band nicht tanzt, tanzt nie.

Die Familie
Thomas Ehrenberg - E-Gitarre, Gesang
Andreas Aigner - Akkordeon
Torsten Schlauß - Schlagzeug
Marten Köhne - Tasten, Vibraphone
Franz Stahl - Saxophon, Gesang
Lea Winkler - Posaune, Gesang
Thomas Strauch - Bass, Gesang
Uwe Herbst - Klarinette, Gitarre, Gesang
Tolles Zeug
2002Bandgründung
2005
Tour "Accords d'Europe" mit Dikanda, Jef Kino und Trio Blusette
Tour nach Frankreich, unterwegs im "Nord pas de Calais"
2006
Filmmusik und Mitwirkung im Kurzfilm "verbuendungshaus fforst" von Sebastian Heinzel
Tour durch Belgien und Frankreich
Erscheinen des Albums "bleu de coup"
2007
Tour durch Tschechien
Erscheinen des Albums "un petit mal"
2008
Zusammenarbeit mit "Mamienco" aus Paris für die Stiftung Genshagen
2009
Tour durch Thüringen
2010
Erscheinen des Albums "le fernsehturm"
2011
Tour durch Nord-West-Deutschland
Ein oder zwei unterhaltsame Lügen über La Marche
Die wunderbare Musik dieser sympathischen Band ist nicht etwa
das Ergebnis modischer Arrangements oder irgendeiner ...soliden
Ausbildung. Sie beruht vielmehr auf einer seit Jahrhunderten liebevoll
gepflegten Familientradition. So sollen schon die ältesten
Vorfahren der La Marche-Familie fahrende Spielleute gewesen sein, die
ländliche Fürsten bei ihren Gelagen unterhielten und
sich mit Wein und Jungfrauen bezahlen ließen.
Das heutige Familienoberhaupt Thomas de la Marche wurde 1921 in einem
Wohnwagen bei Paris geboren. Schon als 6-Jähriger beherrschte
er nahezu jedes obszöne Lied der Zeit, was in Frankreich der
Beherrschung so ziemlich aller Lieder gleichkommt. Als er bei einem
Wohnwagenbrand zwei Seiten seiner Gitarre verlor, spielte er fortan
Bass.
Von der großen weiten Welt angelockt und von der Aussicht auf
eine gute und anständige Arbeit abgeschreckt, entschied er
sich bald, Zigeunermusiker zu werden. Zufällig traf er in
Marseille seinen Cousin Schlaußn de la Marche, der als
bärtige Frau in einem Wanderzirkus arbeitete. Begeistert von
dessen Schlagfertigkeit bei einer Kneipenschlägerei beschloss
er, mit ihm als Schlagzeuger eine Band zu gründen.
Durch einen weiteren glücklichen Zufall traf man nahe der
Niederländischen Grenze auf Väterchen Herbst, ein
Herrchen gedrungener Gestalt, das sich aus Kronkorken und Lakritze eine
Klarinette gebastelt hatte und nun die kleine Band mit
fröhlichen Melodien bereicherte.
So tingelten sie einige Jahre durch die Lande. Der Krieg endete und
erste Gerüchte, dass die Stones bald aufhören
würde, kamen auf. Die Anwesenheit entfernter Cousinen machte
das Reisen im Wohnwagen angenehm. Überglücklich war
man als sich die Familie allmählich
vergrößerte und die Söhne Andres und Marten
geboren wurden. Beide wurden schon im Kleinkindalter an das gemeinsame
Musizieren und Rauchen gewöhnt. Da der kleine Andreas wie sein
älterer Bruder die Tasten bedienen wollte, wurde für
ihn ein sogenanntes AKKORDEON angeschafft. Eine seltsame Art Klavier,
das sich nach dem spielen platzsparend zusammenfalten lässt.
Um das Zertifikat einer staatlich geprüften Zigeunerband zu
führen, fehlten der inzwischen an der polnischen Grenze
ansässigen Familie noch zwei Mitglieder. Man adoptierte das
Findelkind Django Ehrenberg und gab ihm den Vornamen seines Ziehvaters
Thomas. Der frühere Laufbursche Hupen-Franz wurde mit dem
Spiel des sehr einfachen Saxophons betraut. Ausgedehnte Konzertreisen
brachte die Band zu allen wichtigen Spielstätten Europas von
Madrid bis Lebus. Dass die Zigeunerband auch das gleichnamige Schnitzel
erfunden hat, bleibt allerdings eine unbestätigte Behauptung
ihrerseits.
Die jüngste Zeit brachte einige Veränderungen in die
Band. Um den in Würde gealterten Thomas de la Marche zu
entlasten (er stützt sich auf der Bühne zuweilen auf
einen Kontrabass) und um den emanzipatorischen Anforderungen des 21.
Jahrhunderts gerecht zu werden, wurde das Fräulein Winkelmann
fürs Kochen und Putzen eingestellt. Statt sich aber den
genannten Tätigkeiten zu widmen, spielt diese Dame lieber
Posaune und singt, was ihr jedoch keiner recht verübeln kann,
weil seitdem nicht nur allerlei schöne Frauen sondern auch
elegante Herren zu den Konzerten der Familie La Marche kommen, von
denen hoffentlich noch mehrere Tausend in den gemütliche
Spelunken Europas zu erleben sein werden.
Göran Sousterrain


